kindertod

Hier möchte ich Euch drei wunderschöne kindgerechte Geschichten ans Herz legen, die sich mit dem Tod befassen.

Die erste wurde damals auf Manfreds Beerdigung gelesen und sie ist nicht nur etwas für Kinder.

Die zweite ist eine Erinnerung an meine Kindheit, ich liebte es wenn mein Paps sie mir  ( meist zur Weihnachtszeit) vorgelesen hat

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Leb wohl lieber Dachs  (Susan Varley )

Der Dachs war verlässlich, zuverlässig und immer hilfsbereit. Er war sehr krank. Der Dachs war so krank das er wußte , er würde bald sterben.

Der Dachs fürchtete sich nicht vor dem Tod. Sterben bedeutete nur, dass er seinen Körper zurückließ.
Und da sein Körper nicht mehr so wollte wie in früheren Tagen, machte es dem Dachs nicht allzu viel aus, ihn zurückzulassen.Seine einzigste Sorge war, wie seine Freunde seinen Tod aufnehmen würden.Er hatte sie schon vorbereitet und ihnen gesagt, irgendeinmal werde ich durch den langen Tunnel gehen. Er hoffe, sie würden nicht zu traurig sein, wenn seine Zeit gekommen war.

Eines Tages beobachtete er , wie der Maulwurf und der Frosch den Hügel hinunterliefen. Während er ihnen nachsah, fühlte er sich ungemein alt und müde. Nichts hätte er sich mehr gewünscht, als mit seinen Freunden umherzutollen. Doch er wußte das seine müden Beine es nicht erlaubten.Er schaute ihnen lange zu und freute sich das sie so vergnügt waren.

Als er nach Hause kam war es schon spät . Er sagte dem Mond gute Nacht und zog die Vorhänge vor der kalten Welt draußen zu. Langsam näherte er sich dem wärmenden Feuer, das tief in der Erde auf ihn wartete.
Er aß sein Brot und setzte sich an den Schreibtisch um einen Brief zu schreiben. Als er fertig war, ließ er sich im Schaukelstuhl neben dem Kamin nieder. Er schaukelte sanft hin und her und war bald eingeschlafen. Und er hatte einen seltsamen, doch wundervollen Traum, wie er ihn nie zuvor geträumt hatte.

Dachs lief. Zu seiner höchsten Überraschung lief er munter dahin. Vor ihm öffnete sich ein langer Tunnel. Seine Beine trugen ihn kräftig und sicher dem Tunnel entgegen. Er brauchte keinen Spazierstock mehr, also ließ er ihn liegen. Dachs lief leicht und behende, schneller und immer schneller durch den langen Gang, bis seine Pfoten den Boden gar nicht mehr berührten. Er fühlte,wie er stürzte, wie er hinfiel und sich überschlug, aber er tat sich überhaupt nicht weh. Er fühlte sich frei. Es war als wäre er aus seinem Körper herausgefallen.

Am folgenden Tag versammelten sich seine Freunde vor dem Eingang zum Dachsbau. Sie machten sich Sorgen weil der Dachs nicht wie sonst herrausgekommen war, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen.
Der Fuchs eröffnete ihnen die traurige Nachricht. Er sagte, dass der Dachs tod sei.
Dann las er den Brief vor. Darin stand nur :>> Bin durch den langen Tunnel gegangen. Lebt wohl, Dachs.<<
Alle Tiere hatten den Dachs lieb gehabt und alle waren sehr betrübt. Besonders der Maulwurf fühlte sich allein und verlassen und furchtbar unglücklich.

Abends im Bett mußte der Maulwurf immer an den Dachs denken. Tränen liefen ihm über die samtene Nase hinab, bis die Bettdecke klatschnass war,die er zum Trost fest umklammert hielt.
Draußen begann es zu schneien. Bald deckte eine dicke Schneeschicht die Behausung der Tiere zu, in denen sie die kalten Monate hindurch warm und gemütlich hatten.Der Schnee begrub das Land unter sich, aber er konnte die Traurigkeit nicht begraben, die die Freunde des Dachses erfüllte.

Der Dachs war immer zur Stelle gewesen, wenn ihn einer brauchte. Die Tiere wussten nicht, wie sie jetzt ohne ihn zurecktkommen sollten. Dachs hatte ihnen gesagt, sie sollen nicht traurig sein. Aber das war schwer.
Als es anfing Frühling zu werden, besuchten die Tiere einander oft und redeten von der Zeit , als Dachs noch lebte.

Der Maulwurf konnte besonders geschickt mit der Schere umgehen. Und nun erzählte er, wie Dachs ihn einst gelehrt hatte aus zusammengefaltetem Papier eine Maulwurfskette auszuschneiden. Der Frosch erinnerte sich , wie Dachs ihm geholfen hatte seine ersten unsicheren Schritte auf dem Eis zu tun.Dachs hatte ihn behutsam über das Eis geführt, bis er sicher genug war , alleine darüber zu flitzen.Der Fuchs erinnerte sich, wie Dachs ihm den Krawattenknoten gezeigt hatte. Frau Kaninchen hatte von Dachs sein Spezialrezept für Lebkuchenkaninchen bekommen.

Jedes der Tiere bewahrte eine besondere Erinnerung an den Dachs- irgendetwas, was er sie gelehrt hatte und was sie jetzt ausnehmend gut konnten.
Dachs hatte jedem von ihnen ein Abschiedsgeschenk hinterlassen, das sie wie einen Schatz hüteten. Mit ihren verschiedenen Gaben konnten sie einander helfen.

Mit dem letzten Schnee schmolz auch die Traurigkeit der Tiere dahin. So oft  der Name des Dachs fiel, kam einem von ihnen eine neue Schmunzelgeschichte in den Sinn.

Eines warmen Frühlingstages wanderte der Maulwurf über den Hügel, wo er den Dachs das letzte Mal gesehen hatte. Hier wollte er dem Freund für sein Abschiedsgeschenk danken.

>>Danke, Dachs<<, sagte er leise. Er war überzeugt, das ihn der Dachs hörte.

Und- vielleicht war es auch so.

 

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Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen  ( Hans- Christian Andersen )

Es war so schrecklich kalt; es schneite und es begann dunkler Abend zu werden; es war der letzte Abend des Jahres, Silvesterabend.In dieser Kälte und Finsternis ging auf der Straße ein armes,kleines Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen.Als sie von zu Hause wegging, hatte sie freilich Pantoffeln, ihre Mutter hatte sie zuletzt getragen,so groß waren sie; aber nun hatte die Kleine sie verloren, als sie über die Straße lief, weil zwei Wagen sie beinahe niedergestoßen hätte; der eine Pantoffel war nicht mehr zu finden und mit dem anderen lief ein Junge fort.

 

Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten Füßen, die rot und blau vor Kälte waren. In ihrer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer, und einen Bund davon hielt sie in der Hand.

 

Niemand hatte ihr den ganzen, langen Tag über etwas abgekauft, niemand ihr einen Groschen geschenkt. Hungrig und zitternd vor Kälte ging sie und sah ganz eingeschüchtert aus, die arme Kleine.

 

Die Schneeflocken fielen auf ihr langes, blondes Haar, das sich in schönen Locken um den Nacken ringelte. Aus allen Fenstern glänzten die Lichter, und bis heraus auf die Straße roch es so herrlich nach Gänsebraten; es war ja Silvesterabend. Ja, nur daran dachte sie.

 

In einem Winkel zwischen zwei Häusern, setzte sich die Kleine hin und kauerte sich zusammen.

 

Ihre kleinen Hände waren beinahe starr vor Kälte.Ach,ein kleines Schwefelhölzchen könnte gut tun. Sie zog eines heraus und ritsch, strich sie es an der Mauer an; wie sprühte es; wie brannte es! Es war eine warme helle Flamme, wie ein kleines Licht; sie hielt ihre Hände gewölbt darüber.

 

Welch wunderbares Lichtchen! Es schien dem kleinen Mädchen, als säße vor einem großen , eisernen Ofen. Wie brannte das Feuer, wie wärmte es gut! Ja, was war das nun! -Die Kleine streckte die Füße aus, um auch diese zu erwärmen,-da erlosch das Flämmchen. Der Ofen verschwand, und sie saß da mit dem abgebrannten Schwefelhölzchen in der Hand.

 

Die Kleine zündete ein neues Hölzchen an. Da saß sie nun unter dem herrlichsten Christbaum. Das Mädchen streckte beide Hände danach aus- da erlosch das Schwefelhölzchen.Die Weihnachtslichter aber stiegen höher und höher, das waren jetzt die hellen Sterne am Himmel, und einer fiel herunter, einen langen Feuerstreifen nach sich ziehend.

 

"Jetzt stirbt jemand!" dachte das kleine Mädchen, denn die alte Großmutter, die einzige, die lieb zu ihr gewesen , nun aber tot war, hatte gesagt: Wenn ein Stern vom Himmel fällt, dann steigt eine Seele hinauf zu Gott.

 

Die Kleine strich wieder ein Hölzchen an der Mauer an, da leuchtete es ringsumher, und in dem Glanz stand die alte Großmutter, so klar, so schimmernd, so mild und liebevoll.

 

" Großmutter!" rief die Kleine," nimm mich mit! Ich weiß, du bist fort,wenn das Hölzchen abgebrannt ist, genauso wie der warme Ofen, der herrliche Gänsebraten und der strahlende Christbaum." Und dann strich sie schnell den ganzen Bund Schwefelhölzchen an, denn sie wollte die Großmutter recht festhalten. Und die Schwefelhölzchen leuchteten mit solchem Glanz, das es heller war als der lichte Tag.

 

Die Großmutter war früher nie so schön, so groß gewesen. Sie hob das kleine Mädchen auf ihren Arm, und sie flogen in Glanz und Freude hoch über der Erde, unendlich hoch und weit. Und dort war keine Kälte, kein Hunger, keine Angst und Not,-sie waren bei Gott.

 

Im Winkel, an die Mauer gelehnt, saß in der kalten Morgenstunde das arme Mädchen mit roten Backen und einem Lächeln um den Mund;-tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Rot und eisig ging die Neujahrssonne über der kleinen Toten auf, die den Bund abgebrannter Zündhölzer noch in den Händen hielt.

 

" Sie wollte sich wärmen !" sagten die Leute.

 

Niemand wußte, was sie Schönes gesehen hatte, in welchem Glanz sie mit der Großmutter in das Reich Gottes gegangen war.

 

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Trost ( Verfasser Unbekannt)

 

"Als ich eines Tages, wie immer traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein fröhliches kleines Mädchen zu mir. Sie spürte meine Stimmung und fragte: " Warum bist Du traurig?" "Ach", sagte ich "ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht wie es weitergehen soll."

"Hmmm ", meinte das Mädchen, "wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschauen." "Was für ein rosa Tütchen?", fragte ich sie verwundert. "Ich habe nur ein schwarzes Tütchen."

Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnet sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte wie sie erschrak. "Es ist ja voller Alpträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!" "Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern."

"Hier nimm," meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. "Sieh hinein!" Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren.

"Wo ist Dein schwarzes Tütchen?" fragte ich neugierig. "Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum", sagte sie. "Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser. Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja , ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!"

Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen mit der Aufschrift: Für Dich! Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz. Glücklich machte ich mich auf dem Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen."

 

                                                                                                                                               

                                                                                                                                                                 

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